„Also wenn Sie nicht mitspielen, dann stellen wir Ihnen Google ab.“

Google hilft bei wichtigen Lebensfragen und führt uns dabei durchs Internet.
Google hilft bei wichtigen Lebensfragen und führt uns dabei durchs Internet.

Ist Google gut oder schlecht? Engel oder Teufel? Oder für Daoisten: Yin oder Yang? In einer „Kommertar-Diskussion“ auf netzwertig.com streiten die verschiedenen Autoren darüber, ob Google gut oder schlecht sei und warum. Eine sehr spannende und interessante Diskussion, aber eigentlich werden viele Ebenen vermischt, so dass die Diskussion kein richtiges Ende findet. Zum einen werden die Onlinedienste von Google (überwiegend positiv) bewertet, zum anderen wird Googles Unternehmenspolitik betriebs- und volkswirtschaftlich abgewägt und die Rolle des Konzerns und seiner Dienste in der Weltgesellschaft betrachtet. Dabei kam mir der Gedanke, dass die verschiedenen Betrachtungsebenen alle ihre eigenen Bewertungsdisziplinen haben und demnach zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Was aber am Ende bleibt, ist eine potenzielle Gefahr.

Als sich Mitte der 1990er Jahre Suchmaschinen wie Altavista und Yahoo noch durch Suchmaschinen-Tricks wie falsche Keywords an der Nase herumführen ließen und uns zudem mit lästiger  Werbung nervten, da freuten sich alle über Google. Vor allem die Ergebnisse waren viel besser. Doch gleichzeitig hatten einige Leute ein mulmiges Gefühl dabei zu sehen, dass wir uns zunehmend von Google den Weg durchs Internet zeigen lassen. Als dann 2007 der Gutmensch und Wikipedia-Erfinder Jimmy Wales (damals selbsternannt „Jimbo“) seine neue Suchmaschine Wikia Search ankündigte, da entstand eine kleine neue Hoffnung auf den Bruch des Suchmonopols von Google. Leider war der Dienst nicht besonders erfolgreich, die Ergebnisse waren miserabel. Im März 2009 wurde Wikia Search eingestellt. Heute wissen wir, dass nur Google die besten Ergebnisse liefert. Das schreibe ich jetzt mit leichem Schmunzeln, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und man gewöhnt sich schließlich auch an eine gewisse Such-Syntax.

Google Dienste: gut oder schlecht?

Maps, Docs, Books, Calendar, Books, Gmail (bzw. Googlemail, weil in Deutschland scheinbar irgend so ein „Kleiner“ den Namen Gmail bereits beansprucht hatte), Reader, News, Chrome, Earth, Buzz, Wave, AdWords und vieles mehr gibt es inzwischen von Google. Die meist kostenlosen Dienste funktionieren gut, keine Frage. Geht es bei der Frage ob Google gut ist etwa darum, ob sie gute Software machen? Sicherlich nicht.

Google als gewinnstrebendes Unternehmen

Scheinbar ist Google als Unternehmen besonders stark und erfolgreich. In der oben genannten Diskussion wurde Google sogar als „fette erfolgreiche Kuh“ bezeichnet. Das Unternehmen verschenkt offenbar Dinge, weil dadurch wiederum Geld verdient wird. Neue Geschäftsbereiche, Konkurrenten sowie qualifizierte Mitarbeiter werden aufgekauft, so wie es auf einem relativ freien Weltmarkt üblich ist. Darüber ärgern sich wiederum andere Unternehmen, doch der Betriebswirt sagt, dass dies nicht verwerflich ist. Warum auch?

Wer sucht, sucht über Google

In der Heute Show in seinem Beitrag „Google Home Video“ bringt Martin Sonneborn es humorvoll auf den Punkt:

„Also wenn Sie nicht mitspielen, dann stellen wir Ihnen Google ab.“

Egal welche ausgefallenen und guten Dienste Google der Welt noch kostenlos oder gegen Entgelt anbietet, der zentrale Dienst ist und bleibt die Suche. Auf alles andere können wir im Prinzip verzichten. Google kontrolliert zwar nicht die Netzinfrastruktur, aber hat eine ähnliche Rolle für die Reise im Netz, denn wer sucht, der sucht über Google. (Ich weiß, es gibt auch noch Yahoo, aber welches ist das größere Übel?)

Willkommen bei Google, Ihrem Reisebegleiter durchs Internet!

Google ist der Informationsstand am Eingang des großen unbeschilderten Gebäudes „Internet“. Doch bleibt diese Beratungsleistung neutral, wenn derselbe Dienstleister eigene Produkte im Netz vermarkten will? Vielleicht bringt der Vergleich zwischen dem Verhältnis Google – Internet mit Deutschen Telekom – Telefonnetz weitere Erkenntnisse. Wer seinen ADSL-Anschluss schon mal bei einem anderen Anbieter als der Telekom bestellt hat, der weiß, dass ein Techniker vorbei kommen muss, um das Netz „freizuschalten“. Dieser Vorgang dauert zwischen 3 und 8 Wochen. Ein Telekom-ADSL-Anschluss hingegen ist innerhalb weniger Tage wenn nicht sogar Stunden bereit zur Benutzung.

TINA – There is no alternative to Google?

Kontrolle erlaubt immer auch Missbrauch. Ob dieser dann geschieht, ist eine andere Frage. Man kann immerhin versuchen, Risiken vorzubeugen. Und die Kombination von Suchmaschinenmonopol und Email-Dienstleistung ist eben genauso blöd wie die von Betriebssystemmonopol und anderen Dienstleistungen. Und wo das hinführt, sehen Millionen von Nutzern täglich unten rechts auf ihrem Desktop aufploppen.

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