Kocht Suppe gegen den Kapitalismus

Die geheime Zutat, ich dachte es sei Curry. War ich wirklich so verblendet zu denken, man könne die perfekte Suppe mit Curry zaubern? So als ob ein einzelnes Bob-Dylan-Song das kapitalistische System verändern könne. Dabei ist jede Zutat doch nur ein Rädchen im hochkomplexen System der Suppe. Hochkomplex ist auch das Schienennetz der Deutschen Bahn. AG? Keine Ahnung, das ändert sich ja stets. Doch welche Zutat ist verantwortlich?

Die eigentliche Geschichte

Samstag auf dem Weg zur Buddha-Figuren-Ausstellung mussten wir in einem kleinen Bahnhof umsteigen. Wir hatten fünf Minuten Zeit und wir waren pünktlich. Leider kam kein Anschlusszug. Auch keine Durchsage. Auf dem Gleis gegenüber stand ein Wartungszug, also ein Zug, der einen Waggon mit lauter Wartungsmaterial und -personal enthält. Ein Mann saß darin und aß. Als wir bereits über 10 Minuten auf unseren Zug gewartet hatten, stieg der Mann aus und wir fragten ihn nach unserer Verbindung. Er erklärte, der Zug komme nicht, es fahre ein Ersatzbus. Der Zug sei doch heute morgen entgleist. Der Bus sei aber schon weg, da komme der nächste in einer Stunde.

Nur der Fahrer

So gingen wir und eine andere enttäuschte Fahrgästin zum Bussteig, an dem gleich einer dieser Ersatzbusse ankam. Wir fragten den telefonierenden Fahrer, ob er uns jetzt fahre. Doch er meinte, erst wieder ein einer Stunde. Daraufhin beschloss ich ihn verantwortlich zu machen und schimpfte ihn vorwurfsvoll an, dass einem doch jemand Bescheid sagen müsse und wir nun wegen dieser Geschichte eine Stunde länger in Bullay bleiben müssen. Er antwortete, er sei nur der Fahrer vom Busunternehmen.

Outsourcing

Im Bahnhofsgebäude des Umweltbahnhofs Bullay gab es (wider Erwarten) ein Reisezentrum. Dort saß eine Frau und wir beschlossen sie verantwortlich zu machen. In einem wieder nicht besonders freundlichen Ton sagte ich, das sowas nicht gehe und wir nun ja schließlich bezahlt hätten. Doch auch sie war die falsche Ansprechperson, denn sie war nur das Reisebüro, das die Tickets der Deutschen Bahn verkaufen dürfe, aber eben nur von der Zentrale in Wittlich informiert werde und das meistens eben nicht. Und das sei schon öfters passiert, die Zentrale rücke nicht einmal eine Telefonnummer raus, wo sich Kunden beschweren können. So einigten wir uns mit ihr darauf, dass sie sich nun darum kümmere und die Beschwerde weiterleite und wir da sonst nix machen können.

Den Frust auslassen hat gut getan. Wir gingen noch 30 Minuten spazieren mit Moselblick und kamen entspannt und einige Minuten früher zum Bus zurück. Der Busfahrer wollte beim Einsteigen keinen Fahrausweis sehen und meinte nun, er beobachte das Gleis. Doch da stehe noch keiner. Als dann kurz darauf eine junge Frau aus unserem Zug aber eben eine Stunde später ausstieg und das heute unbefahrene Gleis betrat, tat der Busfahrer keine Anstalten, die darauf schließen lassen könnten, er wolle vorübergehend seinen Bus verlassen und die Frau informieren.

Ein Herz fassen

Mutig und nicht willens die Frau wie uns selbst eine Stunde zuvor dort warten zu lassen ging ich nach vorne und teilte dem Busfahrer mit, dass ich diese Frau nun über den Ersatzbus aufklären wolle. Er entgegnete, dass er das jetzt auch gemacht hätte. Ich wies ihn an, auf mich zu warten und informierte die Frau über den entgleisten Zug und den Bus. Als ich zurück kam, hatten auch noch zwei junge Mädchen sich aufgemacht, in der Umweltbahnhofshalle nach weiteren Fahrgästen Ausschau zu halten.

Geteilte Arbeit versteckt Verantwortung

Warum erzähl ich das alles? Jeder in der Geschichte hatte seine Zuständigkeit und niemand war verantwortlich. Und dennoch gab es ein Problem: Der Zug war verspätet und keiner fühlte sich verantwortlich die Fahrgäste zu informieren. Schuld war der umgekippte Baum. Doch wer hatte die Pflicht die Fahrgäste zu informieren? „Die Bahn“, könnte man sagen. Aber wer ist „die Bahn“? Es gibt sie gar nicht, denn sie ist ebenso wie „der Kapitalismus“ zerteilt in tausend Sub-Unternehmen und Lizenz- und Kooperationspartner.

Ich habe es bereits bei Joseph Weizenbaum gelesen, und bemerke sie immer häufiger, diese Folge unserer Arbeitsteilung. Es ist die Ursache für den Egoismus des Einzelnen und zerstört jede Solidarität. Jeder Einzelne hat seine eingegrenzten Kompetenzen und wenn etwas schief läuft, kann niemand etwas machen, weil niemand es im Ganzen verursacht hat.

Bei der Suppe ist das etwas anders. Da gibt es immer noch den Koch.

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