Machtmissbrauch im Internet

Google will seinen Nutzern den Chrome-Browser aufschwatzen
Google will seinen Nutzern den Chrome-Browser aufschwatzen

Google ist meine Startseite mangels guter Alternativen. Doch regelmäßig bin ich ziemlich genervt von den neuen Praktiken der „Großen“ im Internet, die User mit aller Macht zu drängeln, die von Ihnen empfohlene Nutzungsweise des Computers und Internets anzunehmen. Heute morgen wieder auf der Google-Startseite:

Surfen Sie noch schneller mit der neuesten Version von Google Chrome.

Einst war das Internet die Vision einer demokratischeren Gesellschaft. Heute ist davon nur mehr wenig zu spüren.

Die Verheißungen

Man verweist immer gerne auf Wikipedia um zu zeigen, welches Potenzial jeder einzelne Mensch angeblich im Internet habe. Schaut man sich die Machtstrukturen innerhalb von Wikipedia an – dazu gibt es auch wissenschaftliche Studien, die das belegen (1) -, dann sieht man, dass diese Demokratie nicht vor Machtmissbrauch schützt. Doch zumindest kann jeder Onliner theoretisch auf die Entwicklung der Online-Enzyklopedia einwirken. Schlimmer sieht es da schon aus bei Facebook oder Google. Das einzige Mittel dagegen ist Aussteigen.

Die Machtmissbrauchs-Praktiken

Aussteigen kann hart sein. Entweder man nutzt es oder man nutzt es nicht. Doch je mehr Leute es nutzen, umso gravierender sind die Folgen der Nicht-Nutzung. Meine ehemalige Google-Newsgroup spricht nur mehr auf Facebook. iPhone-Apps nehmen zu und Linux wird noch immer nicht ausreichend von den Hardware-Herstellern mit Treibern unterstützt. Zunehmend sendet Google von fast jeder Webseite das Nutzerverhalten an die Zentrale – im Deal mit den Betreibern gegen ein kostenloses Statistik-Tool (Piwik ist übrigens die saubere Alternative). Facebook hat mit dem „gefällt mir“-Button auch den Fuß in die meisten Webseiten gesetzt, und da kommt bestimmt bald mehr.

Monopole und Kartelle im Internet

Leider hat aber kaum eines der Internetunternehmen ein Interesse an Demokratischen Strukturen. Vielmehr will jeder oben mitmischen, und so wird selbst aus Open-Source-Projekten der maximale Gewinn geschöpft, indem eine Firma die Software als Service mit zusätzlichen Leistungen an die große Masse der Kleinen verkauft. Der Trick ist einfach und durchschaubar, aber niemand merkt es: Der Leiter der SaaS-Firma ist meistens eines der ehemaligen Community-Mitglieder, der die Bekanntheit der Software auf seine eigene übertragen konnte, und so wird er in gewissem Maße mit dieser Software gleichgesetzt. Man denke an Drupal und Dries Buytaert und seiner Firma Acquia und das SaaS-Projekt Drupal Gardens. Sowas wird in allen Bereichen folgen und den kleinen regionalen große Konkurrenz auf Weltmarktebene machen.

Die Zukunft

Wann kommt endlich ein vernünftiges Kartellgesetz gegen Macht im Internet raus? Ist Google nicht längst genauso mächtig wie das Rockefeller-Öl-Imperium Anfang des 20. Jahrhunderts? Aber Gesetze auf Weltebene außerhalb der Liberalisierung des Handel sind offenbar noch immer nicht im Interesse Europas oder der USA. Bleibt abzuwarten, wie es sich weiter entwickelt. Oder nach Alternativen zu suchen, doch das wird nicht einfach.

(1) Christian Stegbauer(2009): Wikipedia. Über das Rätsel der Kooperation, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.

1 Gedanke zu „Machtmissbrauch im Internet“

  1. Hi,
    deine Einstellung teile ich. Meine Konsequenz: ixquick.de
    Das ist eine Suchmaschine, die ihr Suchergebnis nicht anhand der vorher über dich gesammelten Infos abstimmt. Und auch sonst nix speichert (keine IP, kein Nutzungsverhalten…).

    Mir hilft sie wesentlich mehr, da google mich sehr häufig auf Seiten führt, die ich sowieso schon kenne. Ich brauche eine Suchmaschine aber um neues zu finden.

    Soweit,
    Johannes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *