Ubuntu 10.10 erscheint am 10.10.2010

The next version of Ubuntu is coming soon

Zweimal im Jahr erscheint ein Upgrade vom Linux Derivat Ubuntu. So auch wieder am 10.10.2010. Ich nutze dieses Release für einen kurzen Rückblick. Dieser Rückblick soll keine technischen Details beleuchten, sondern vielmehr zeigen, wie mir der Einstieg  gelungen ist sowie einige meiner Eindrücke und Erfahrungen als ehemaliger Windows-Nutzer nach 6 Halbjahren Linux.

Es war einmal…

Ich hatte jahrelang intensiv mit Windows gearbeitet. Beruflich zwischendurch auch mal drei Jahre mit einem Mac.

Zum Apple-Mythos will ich hier nur eine kleine Geschichte erzählen: der (für mich unbezahlbare) Mac G4 unserer Firma lief immer sehr stabil. Abstürze mit blauen Bildschirmen, wie es damals Window 98 sehr gerne tat, kamen kaum einmal vor. Es gab die berühmte Bombe, aber selbst die führte nie zu Schaden. Doch irgendwann fing der G4 an zu spinnen. Wir dachten, er habe einen Virus und plötzlich ging gar nichts mehr. Unser Apple-Support-Händler – der übrigens wie seine Hardware auch unbezahlbar teuer war – stellte mit Entsetzen fest, dass wir die Festplatte fast 2 Jahre nicht defragmentiert hatten. Mit Glück konnte das System mit Norton-Utilities wiederhergestellt werden. Doch Apple als das benutzerfreundliche idiotensichere Betriebssystem hat uns nicht gewarnt. Es ist nie ein Fenster aufgesprungen, in dem stand „Bitte warten Sie einen Moment, denn die Festplatte muss defragmentiert werden.“

Nach der Routine mit Windows und allen möglichen kostenpflichtigen und Freeware-Programmen fand ich zunehmend Gefallen an Open Source Software. Damals fingen nämlich die freien Programme an, einerseits Adware und Trojaner zu installieren, andererseits installierten sie immer ganze Pakete von nerviger Registrierungs-Software mit und poppten bei jedem Windows-Start Werbefenster auf (Antivir ist in diesem Sinne selbst der größte Virus). Man musste sich mehr und mehr vor seinem eigenen Computer schützen.

Mut zum Umstieg

Diesen unbefriedigenden Zustand habe ich einige Jahre lang ertragen. Doch irgendwann hat’s mir gereicht. Ich wollte ein anderes Betriebssystem. Ein Mac kam nicht in Frage, weil er mir zu teuer war, und Steve Jobs die ganze Welt mit seinen Guru-Auftritten genervt hat. (Bloß weil Windows schlecht war, hieß das ja noch lange nicht, dass Apple besser wurde) Der Gedanke von einem Open Source Betriebssystem gefiel mir. Da blieb nur eins übrig:

„Linux, das gut gemeinte Betriebssystem von Idealisten entwickelt, viel zu chaotisch für den täglichen Praxiseinsatz.“

– so dachte ich vor 3 Jahren und so denken heute immer noch sehr viele.

Zum Glück berichtete mir ein Freund, dass seine beiden Mitbewohner, die sich gut mit Computern auskennen, beide seit neuestem Ubuntu benutzen. Er meinte, dieses Betriebssystem habe viel Potenzial, sei darüber hinaus für Umsteiger geeignet. Er erklärte mir auch, dass Linux nur der Kern sei, um den herum die „Distribution“ (Ubuntu, Debian oder Suse zum Beispiel) gestrickt sei. Das war alles ziemlich fremd. Aber ich habe Ubuntu parallel zu Windows XP installiert, was die Installations-CD komplett alleine erledigt hat.

Am Anfang war vieles neu

Die Maus und die Tastatur war dieselbe. Ich nutze die Gnome-Oberfläche (das ist der Teil der sich um die Fensterdekoration und den grafischen Aufbau des Betriebssystems kümmert). Es gab kein sinnlos aufgebautes Startmenü, sondern eine Taskleiste oben mit einem Punkt „Anwendungen“. Hier waren schon viele sinnvolle Programme installiert. Und alle Open Source. Das gefiel mir gut. Die normale Benutzung des Computers war sehr einfach und meist ziemlich logisch. Doch mein Wissen über die Installation von Programmen, die Einrichtung des Systems, insbesondere Audio- und Videokonfiguration, nützte mir hier nichts. Ich musste vieles von neuem lernen. Doch das war gar nicht schlimm, denn ich hatte von Anfang an viel Zeit gespart, denn mein System war sicher.

Ein sicheres System

Nach der Installation von Ubuntu lief alles. Das Internet war eingerichtet, und es  war sicher. Als Windows-Nutzer ein Gefühl, das ich bis dahin nicht kannte. Ich benötigte keine personal Firewall, kein Antiviren-Programm und keine Service-Packs. Nur ab und zu erscheint ein Fenster „Aktualisierungsverwaltung“, das mir vorschlägt, alle nötigen Aktualisierungen zu installieren. Das muss man sich mal vorstellen: da ist ein System mit diversen Programmen und alle Updates werden zentral durch das System verwaltet eingespielt. Und Ubuntu garantiert diese Sicherheit bei ihren LTS-Versionen, die immer im April erscheinen, für ganze drei Jahre.

Programme leichter finden und installieren

Der zweite Punkt, der mich überzeugt hat, ist die Softwareinstallation bei Ubuntu. Anders als bei Windows muss man Programme nicht erst umständlich im Internet suchen mit der Ungewissheit, ob man sie nach der Installation jemals wieder entfernen kann. Die Softwareinstallation listet alle verfügbaren Programme nach Kategorien (Bildung, Büro, Grafik, Internet, Unterhaltungsmedien usw.) auf. Über den Weg habe ich schon viel wirklich interessante Software gefunden.

Diese Art der Softwareinstallation ähnelt übrigens dem Konzept von Apples App Store. Doch verbindet Apple die Benutzung von Software immer gleich auch mit Bezahlen. Und die Leute machen’s mit, Hilfe!

Formate und rechtliche Probleme

Leider gibt es auch einige Dinge, die bei Ubuntu nicht von Anfang an ganz reibungslos laufen, die jedoch alle eine Gemeinsamkeit haben: sie sind nicht von Ubuntu selbst verursacht, sondern meistens die Folge rechtlicher Einschränkungen anderer Firmen. So bekommt man zum Beispiel alle Audio- und Videoformate ans Laufen, muss hierfür jedoch erst einige so genannte „Fremdpakete“ installieren. Noch schwieriger wird es, wenn man z.B. proprietäre Schnittstellen wie Steinbergs VST-Plugin-Schnittstelle benutzen will. Möglich wäre es durchaus von Ubuntu, hier Pakete zur Verfügung zu stellen, doch erlaubt es Steinbergs Lizenz nicht, dass Ubuntu so etwas tun darf. Hilfe und Lösungen zu fast allen Problemen findet man aber im Ubuntu-Wiki, das wirklich sehr ausführlich und anfängerfreundlich beschreibt, wie was geht.

Hardware und ihre Treiber

Ein weiterer Punkt, auf den man als Linux-Nutzer, aber auch als Nicht-Windows-Nutzer achten muss, ist die Treiber-Unterstützung der Hersteller von Hardware. Sei es ein Drucker, ein MP3-Player oder auch nur die Webcam, man sollte vor dem Kauf immer darauf achten, ob der Hersteller auch Treiber für Linux anbietet oder ob Linux von sich aus dieses Gerät bereits unterstützt. Denn viele renommierte Hersteller bieten entweder gar keine Treiber (z.B. Philipps) oder nur abgespeckte Versionen (Canon) für Linux an. Dennoch benutze ich einen Canon-Drucker und kann auch auf fast alle Funktionen zugreifen. Auch hier lohnt sich immer zuerst ein schneller Blick ins Wiki.

Fazit

Bestimmte Aufgaben unter Ubuntu zu erledigen kann auch Nerven kosten, ebenso wie unter Windows und unter Mac OS. Doch gibt es einen entscheidenden Unterschied: bei Windows ist man nachher so schlau (dumm) wie vorher, bei Mac muss man für alles zahlen und ist der Willkür des „Imperiums“ ausgesetzt, und bei Ubuntu lernt man immer etwas hinzu. Gerade als Webentwickler, aber genauso als normaler Computer-Nutzer mit E-Mail, Internet und Textverarbeitung weiß ich ein benutzerfreundliches, gut durchdachtes und sicheres System zu schätzen, das darüber hinaus noch absolut innovativ und zukunftsfähig ist*.

*Zum Beispiel: Cloud Computing und Social Media Features sind seit Ubuntu 10.04 bestens integriert.

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