Dezentrale Facebook-Alternative: DIASPORA

Diaspora heißt die Software, registrieren kann man sich auf jedem beliebigen Server, der die Software installiert hat, z.B. in Deutschland auf geraspora.de

Vielleicht war es meine Blasenentzündung, die mich nochmal auf die wesentlichen Dinge meines Lebens zurück besinnen ließ, keine Ahnung. Jedenfalls habe ich mich gestern bei Facebook abgemeldet. Heute morgen habe ich bereits nach einer dezentralen Alternative dazu gesucht und bin aufDIASPORA gestoßen. Ich will in diesem Artikel meine ersten Erfahrungen beschreiben.

Facebook macht Spaß

Interessant, dass man sich immer erst mit einem Problem auseinandersetzt, wenn es akut ist. Das ist wohl auch der Grund, warum kaum einer Facebook verlässt, obwohl die negative Kritik groß und alltäglich ist.

Man muss zugeben, dass es auch irgendwie ein neues Lebensgefühl ist, sich mit so vielen Leuten austauschen zu können, jedem jederzeit eine Nachricht zu schicken, und zu erfahren, wem was gefällt. Zudem entwickelt Facebook ja immer neue Features, die den Austausch vereinfachen.

Doch dieser Spaß-Faktor ändert nichts daran, dass Facebook die Rechte aller hochgeladenen Fotos erhält und überhaupt mit den Daten nahezu alles tun kann, was es will. Da niemand weiß, wie sich die Technologie bezüglich Gesichtserkennung etc. in den kommenden 10-20 Jahre entwickeln wird, ist das Risiko einfach zu groß, das die User eingehen, die heute fleißig die Fotos ihrer Kinder hochladen und “teilen”.

Alternative Konzepte zu Facebook ohne Verzicht auf gute Features

Da ich selbst in den vergangenen Jahren viel im Web programmiert und entwickelt habe, sind nach der Abmeldung bei Facebook erst mal meine Überlegungen losgegangen, was die Anforderungen an eine Alternative sein könnten:

  • Dezentrale Struktur: Facebook ist insbesondere so gefährlich, weil ein Unternehmen die Daten von über 800 Millionen Menschen sammelt. Wenn jeder hingegen seine Daten wie beim E-Mail-Account auf einem anderen Server liegen hätte, könnte dieses Risiko ausgeschlossen werden.
  • Niedrigschwelliges Angebot: Es müsste ähnlich einfach sein wie bei Facebook, sich für die Seite registrieren und loszulegen, da ein zu hoher Aufwand die User abschrecken würde.
  • Ähnliche Features: Auf den Komfort, an den man sich einmal gewöhnt hat, will man nicht mehr verzichten. Das bedeutet, dass die Alternative zu Facebook auch Funktionen wie Posten, Kommentieren, Pinwand, Listen (bzw. Kreise), Fotoalben, private Nachrichten usw. bieten müsste.
  • Mehrwert: Damit ein solches Projekt auch zum Erfolg wird, müssten im besten Fall noch zusätzliche tolle Features geboten werden, die weder Facebook noch Google+ bisher integriert haben.

Diaspora – ein geeignetes Network als Facebook-Nachfolge

Ich muss zugeben, ich war skeptisch, als ich den Artikel über Diaspora auf netzwertig,com gelesen habe. Ein ZEIT- und der Wikipedia-Artikel haben mich schon mehr überzeugt, und nach der unkompliziertesten Anmeldung meines Lebens bei Geraspora, einem deutschen Server habe ich gleich ein paar Features getestet und bin überzeugt, dass Diaspora ein sehr geeigneter Nachfolger für Facebook sein kann.

Die Optik von Diaspora

Nach der Anmeldung erinnert alles bis auf die Farbe an Facebook. Ein schmaler Balken ganz oben und drei Spalten darunter. In der Mitte werde ich gefragt: Woran denkst Du gerade? Ich sehe öffentliche Posts von allen, kann kommentieren und mir kann gefallen. In der Leiste oben gibt es ein Suchfenster, den Home-Link, Benachrichtigungen, private Nachrichten sowie meinen Namen, unter dem sich mein Profil, Kontakte sowie Einstellungen befinden. Alles in allem also sehr ähnlich zu Facebook und durchaus auch logisch in dieser Form.

Gezielt kommunikativ

Auf meinen ersten, öffentlichen Post, dass ich hier neu bin, habe ich gleich eine Reaktion bekommen. So viel Kommunikation ist man bei Facebook gar nicht gewohnt, da reagieren nicht einmal die “Freunde”.

Man kann einerseits wie bei Facebook entscheiden, wer die eigenen Posts lesen darf. Dabei gibt es auch Listen (Bekannte, Freunde, Arbeit usw.). Zudem erklärt man über Hashtags (z.B. #musik) seine Interessen und Schwerpunkte und postet und abonniert so, ähnlich wie bei Twitter, Beiträge zum Thema, egal an welche und von welchen Nutzern. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber Facebook, wo man aus seinem sozialen Umfeld nicht richtig raus kommt.

Fazit

Wer es Leid ist, alle seine Inhalte an Facebook zu verschenken, andererseits aber nicht auf die Vorteile eines sozialen Netzwerks verzichten will, der sollte auf jeden Fall einmal Diaspora ausprobieren. Es ist kostenlos und funktioniert einwandfrei. Wie sich Diaspora langfristig durchsetzen wird, hängt zum einen von einer kritischen Masse ab, die erst einmal dort vertreten sein muss. Zum anderen müssen gesellschaftlich relevante Akteure wie Medien und Organisationen hier einsteigen, damit die eher passiven Webnutzer auch nachziehen.

Ausprobieren kostet jedenfalls nichts und meine Versprechung ist: es lohnt sich.

 

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